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Mobilität

Von der Idee zur Marke: Wie Bremen zur Carsharing-Pionierstadt wurde

1990 gründete sich in Bremen der Verein StadtAuto – heute als cambio eine der größten Carsharing-Marken Deutschlands. Was viele Nutzer nicht wissen, ist ein technisches Grundproblem, das Carsharing-Fahrzeuge besonders oft betrifft.

Veröffentlicht: 25. März 2025Lesezeit: ca. 3 Min.Bremen
Modernes Carsharing-Fahrzeug an einer markierten Parkfläche in einer Bremer Straße mit historischer Backsteinarchitektur im Hintergrund
Kurz gesagt

1990 gründete sich in Bremen der Verein StadtAuto, einer der ersten Carsharing-Anbieter Deutschlands. Im Jahr 2000 fusionierte er mit Anbietern aus Aachen und Köln zur Marke cambio, die bis heute ihren Hauptsitz in Bremen hat. 2003 führte Bremen als erste deutsche Stadt feste Carsharing-Parkplätze im öffentlichen Straßenraum ein, was später zum bundesweiten Carsharing-Gesetz führte. Heute hat cambio allein in Bremen rund 32.000 Nutzer. Technisch anfällig sind Carsharing-Fahrzeuge vor allem für leere Starterbatterien, da fest verbaute Telematik-Module permanent Strom ziehen, auch im abgestellten Zustand.

Ein Verein wird zur bundesweiten Marke

1990 gründete sich in Bremen der Verein StadtAuto – nach StattAuto Berlin (1988) einer der ersten Carsharing-Anbieter Deutschlands überhaupt. 1993 wurde der Verein in die StadtAuto-Bremen-GmbH umgewandelt, ein Schritt der Professionalisierung. Im Jahr 2000 schloss sich StadtAuto Bremen mit StadtteilAuto aus Aachen und STATTAUTO aus Köln zur cambio-Gruppe zusammen, deren Hauptsitz bis heute in Bremen liegt.

Eine besondere Rolle in der deutschen Carsharing-Geschichte spielte Bremen 2003: Die Stadt führte als erste in Deutschland feste „mobil.punkt"-Stationen im öffentlichen Straßenraum ein – zu einer Zeit, als dafür noch gar keine gesetzliche Grundlage existierte. Diese Vorreiterrolle trug maßgeblich dazu bei, dass 2020 das bundesweite Carsharing-Gesetz verabschiedet wurde.

Von 4.500 auf über 220.000 Kunden

Am 25. März 2025 feierte die Marke cambio ihr 25-jähriges Bestehen: Aus 4.500 Kunden im Gründungsjahr 2000 wurden über 220.000 Nutzer, aus einer Flotte von knapp 200 Fahrzeugen eine von über 5.500 Fahrzeugen in fast 50 deutschen und 130 belgischen Städten. Allein in Bremen und Bremerhaven zählt cambio heute rund 32.000 Nutzer und über 120 Stationen – die Kundenzahl hat sich dort seit 2020 fast verdoppelt.

Eine Wirkungsstudie aus dem Jahr 2018 belegte zudem, dass ein einzelnes Carsharing-Fahrzeug in Bremen bis zu 9,5 private Pkw ersetzen kann – eine Zahl, die Bremen seinerzeit in die bundespolitische Debatte einbrachte und die spätere Gesetzgebung mit anstieß. Im aktuellen Städteranking des Bundesverbandes CarSharing liegt Bremen zwar nicht unter den Top-3 beim reinen Versorgungsgrad – angeführt von Karlsruhe, München und Hamburg –, gilt aber unbestritten als historischer Pionier der Branche.

Das wenig bekannte Batterieproblem des Carsharing

So erfolgreich das Konzept auch ist – Carsharing-Fahrzeuge haben eine technische Eigenheit, die sie anfälliger für leere Batterien macht als private Autos. Jedes Fahrzeug trägt ein fest verbautes Telematik-Modul für Buchung, Ortung und elektronische Verriegelung, das permanent Strom zieht – auch im abgestellten Zustand und selbst im sogenannten Low-Power-Modus.

Eine Starterbatterie braucht längere Fahrten, um sich über die Lichtmaschine wieder vollständig aufzuladen. Steht ein Fahrzeug tagelang ungenutzt oder wird nur für kurze Strecken von zehn Minuten gebucht, kompensiert das den Ruhestromverbrauch des Telematik-Moduls nicht ausreichend. Fuhrpark-Richtlinien empfehlen bei Fahrzeugen mit solcher Dauer-Telematik eigentlich Mindestfahrten von 45 Minuten alle 10 bis 14 Tage – ein Rhythmus, der dem typischen, unregelmäßigen Buchungsmuster beim Carsharing oft widerspricht.

Hinzu kommt: Anders als beim Privatwagen gibt es keinen festen Halter, der eine schwache Batterie bemerkt oder das Fahrzeug „mal eben bewegt". Es steht einfach bis zur nächsten Buchung, oft tagelang in Tiefgaragen mit zusätzlich schwachem Mobilfunkempfang, was den Stromverbrauch durch ständige Verbindungssuche weiter erhöht.

Was Carsharing-Nutzer wissen sollten

  • Bei auffällig trägem Start die Buchung nicht einfach abbrechen, sondern den Hotline-Kontakt des Anbieters nutzen – meist wird schnell Ersatz oder Starthilfe organisiert.
  • Langzeitbuchungen in Betracht ziehen, wenn planbar, da regelmäßigere, längere Fahrten die Batterie besser nachladen als viele Kurzstrecken.
  • Fehlfunktionen melden, wenn ein Fahrzeug wiederholt schwer startet – das hilft dem Anbieter, betroffene Fahrzeuge frühzeitig zu warten.

Steht ein Fahrzeug – ob Carsharing-Auto oder Privatwagen – mit leerer Batterie, zeigt unsere Anleitung zur Starthilfe, wie Sie selbst weiterkommen, oder Sie fragen Hilfe in Ihrer Nähe an.

Quellen

cambio Carsharing, offizielle Unternehmensgeschichte und Pressemitteilung zum 25-jährigen Jubiläum; Senatspressestelle Bremen, Abschlussbericht zu CarSharing-Förderung; Eurocities, Bericht „Bremen's fight for car sharing"; Buten un Binnen (Radio Bremen), Bericht zu aktuellen Nutzerzahlen; Bundesverband CarSharing (bcs), Städteranking 2024; Team Red / Share-North, Wirkungsstudie Bremen 2018.

Häufige Fragen

Wie alt ist Carsharing in Deutschland, und stimmt es, dass Bremen die Wiege war?

Der älteste deutsche Carsharing-Anbieter war StattAuto Berlin, gegründet 1988. Bremen folgte 1990 mit dem Verein StadtAuto und gilt seither als eine der wichtigsten Pionierstädte – vor allem, weil Bremen 2003 als erste deutsche Stadt feste Carsharing-Stationen im öffentlichen Straßenraum einführte, was bundesweite Gesetzgebung anstieß.

Warum haben gerade Carsharing-Autos öfter eine leere Batterie als Privatwagen?

Jedes Carsharing-Fahrzeug hat ein fest verbautes Telematik-Modul für Buchung, Ortung und Verriegelung, das permanent Strom zieht, auch im abgestellten Zustand. Da die Fahrzeuge oft nur für kurze Strecken gebucht werden oder tagelang ungenutzt stehen, kompensiert die Lichtmaschine diesen Ruhestrom-Verbrauch nicht ausreichend – anders als bei einem Privatwagen, der regelmäßiger und oft länger gefahren wird.

Was tun, wenn das gebuchte Carsharing-Auto nicht anspringt?

In der Regel hilft zunächst ein Anruf bei der Kundenhotline des Anbieters, die entweder eine Starthilfe organisiert oder ein Ersatzfahrzeug vermittelt. Bei akutem Bedarf kann auch eine reguläre Starthilfe vor Ort helfen, sofern die Buchung das zulässt und die Fahrzeugtechnik es erlaubt.

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