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Unwetter

Als das Wasser kam: Was Hochwasser der Fahrzeugelektrik dauerhaft antut

Die Unwetterkatastrophe im Juli 2021 war für die deutsche Kfz-Versicherungsbranche das bislang teuerste Naturereignis. Was damals an Fahrzeugen zerstört wurde, und was es technisch bedeutet, wenn Wasser in die Elektrik eines Autos eindringt.

Veröffentlicht: 10. September 2021Lesezeit: ca. 3 Min.
Teilweise in trübem Hochwasser stehendes Auto vor Wohnhäusern, Wasserstand bis zur Fahrzeugmitte
Kurz gesagt

Die Unwetterkatastrophe im Juli 2021 verursachte laut Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bundesweit rund 450.000 Kfz-Schäden mit einer Gesamtsumme von 1,7 Milliarden Euro, das Doppelte eines durchschnittlichen Schadenjahres. Allein an Ahr und Erft waren rund 50.000 Fahrzeuge betroffen, wofür die Kfz-Versicherer knapp 400 Millionen Euro zahlten – in den meisten Fällen Totalschäden. Ein gefluteten Fahrzeug darf laut ADAC nicht einfach gestartet werden, da Wasser in Motor und Elektrik Folgeschäden bis hin zu Kurzschlüssen verursachen kann.

Das teuerste Naturereignis für die Kfz-Versicherung

Die Unwetterkatastrophe im Juli 2021, bei der vor allem die Region an Ahr und Erft in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen von einer Sturzflut getroffen wurde, hinterließ auch bei Fahrzeugen enorme Schäden. Laut Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zählten die Kfz-Versicherer für das gesamte Jahr 2021 rund 450.000 Schäden mit einer Gesamtsumme von 1,7 Milliarden Euro – fast doppelt so viel wie im langjährigen Durchschnitt von etwa 390.000 Schäden und 900 Millionen Euro pro Jahr.

Den größten Anteil daran hatte die Flutkatastrophe im Juli: Allein an Ahr und Erft waren rund 50.000 Fahrzeuge betroffen, wofür die Kraftfahrtversicherer knapp 400 Millionen Euro zahlten. „In den meisten Fällen waren es Totalschäden, die das Wasser an Motoren, Elektronik und am gesamten Fahrzeuginnenraum anrichtete", erklärte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Die regionale Schadensbilanz zeigt Rheinland-Pfalz mit durchschnittlich 4,1 Schadenmeldungen je 1.000 kaskoversicherte Fahrzeuge als am stärksten betroffenes Bundesland, gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit 2,9 Schadenmeldungen.

Warum ein geflutetes Auto nicht einfach gestartet werden darf

Technisch betrachtet ist die größte Gefahr nach einer Überflutung nicht die Flut selbst, sondern der erste Startversuch danach. Gelangt Wasser über Ansaugtrakt oder Auspuff in die Zylinder, kann es dort beim Starten nicht wie Luft komprimiert werden – ein Effekt, der als Wasserschlag (Hydrolock) bezeichnet wird und Pleuel, Kolben oder die Zylinderkopfdichtung mechanisch zerstören kann. Dieser Schaden entsteht häufig erst durch den Startversuch selbst, nicht durch die Flut allein.

Hinzu kommt die Gefahr von Kurzschlüssen: Steckverbindungen, Sicherungskästen und Kabelbäume sind nicht für dauerhafte Flutung ausgelegt. Fließt beim Starten Strom durch durchnässte oder bereits korrodierte Kontakte, drohen Kurzschlüsse bis hin zu Schmorbränden. Selbst wenn ein Fahrzeug nach dem Trocknen zunächst wieder anspringt, kann sich Korrosion an Steckkontakten und Platinen erst Wochen oder Monate später fortsetzen – mit sporadischen Ausfällen an Steuergeräten oder Sensorik, die erst deutlich später auffallen.

Auch die Batterie ist betroffen

Bei klassischen 12-Volt-Batterien besteht für Menschen zwar kein erhöhtes Stromschlagrisiko, aber ein beschädigtes Batteriegehäuse oder eindringende Feuchtigkeit kann Kriechströme und Kurzschlüsse auslösen. Der ADAC empfiehlt deshalb, die Batterie nach einem Wasserschaden möglichst zügig abzuklemmen, bevor weitere Stromkreise aktiviert werden. Bei Elektrofahrzeugen sind Hochvoltbatterie und Kontakte zwar grundsätzlich wasserdicht verbaut, weshalb kein grundsätzlich höheres Risiko als beim Verbrenner besteht – bei längerer Wassereinwirkung oder mechanischer Beschädigung kann aber dennoch ein Sicherheitsrisiko entstehen. Die Empfehlung lautet dann, mindestens einen Meter Abstand zu halten, bis eine fachkundige Person das Fahrzeug freigegeben hat.

Die praktische Konsequenz, die ADAC, ACE und Versicherer übereinstimmend empfehlen: Das Fahrzeug nicht starten, sondern schieben oder abschleppen lassen, die Batterie abklemmen und von einer Fachwerkstatt prüfen lassen.

Eine ungewöhnliche Regulierungspraxis

Angesichts der Ausnahmesituation einigten sich mehrere große Versicherer, darunter HUK-Coburg, R+V und Provinzial, in einer gemeinsamen Regulierungskommission darauf, bei zerstörten oder weggeschwemmten Fahrzeugen den vollen Wiederbeschaffungswert ohne Abzug eines Restwerts zu erstatten – eine Kulanzregelung, die dem außergewöhnlichen Ausmaß der Katastrophe Rechnung trug.

Was das für Fahrzeugbesitzer in Hochwassergebieten bedeutet

  • Nach einer Überflutung nicht starten, sondern das Fahrzeug abschleppen lassen und fachkundig prüfen lassen.
  • Batterie zeitnah abklemmen, um Kriechströme und Folgeschäden zu vermeiden.
  • Dokumentation vor Reparatur, besonders bei sichtbaren Wasserständen über der Fensterunterkante – wichtig für die Schadensregulierung.

Springt ein Fahrzeug nach einem Wasserschaden grundsätzlich nicht mehr an, hilft unsere Übersicht zu häufigen Ursachen bei der ersten Einordnung – bei Verdacht auf Wasserschaden sollte aber in jedem Fall eine Fachwerkstatt die Elektrik prüfen, bevor irgendein Startversuch unternommen wird.

Quellen

Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Medieninformation „Kfz-Versicherung: 1,7 Milliarden Euro Schaden durch Naturgefahren in 2021"; GDV, regionale Naturgefahrenbilanz 2021; Versicherungsbote, Bericht zu Kfz-Unwetterschäden 2021; Autohaus.de, GDV-Bilanz 2021; ADAC, Fachinformation „Wasserschaden am Auto".

Häufige Fragen

Warum darf ein vom Hochwasser überflutetes Auto nicht einfach gestartet werden?

Gelangt Wasser über Ansaugtrakt oder Auspuff in die Zylinder, kann es beim Startversuch nicht wie Luft komprimiert werden – Pleuel, Kolben oder Zylinderkopfdichtung können dabei mechanisch zerstört werden, ein sogenannter Wasserschlag. Zusätzlich drohen Kurzschlüsse in durchnässten Steckverbindungen und Kabelbäumen, wenn beim Starten Strom durch die beschädigte Elektrik fließt.

Woran erkenne ich, ob mein Auto nach einem Wasserschaden noch zu retten ist oder ein Totalschaden vorliegt?

Der ADAC nennt als Faustregel den Wasserstand an der Fensterunterkante. Stand das Wasser bis dorthin oder höher, gilt in den meisten Fällen ein wirtschaftlicher Totalschaden als wahrscheinlich, da dann Motor, Getriebe, Kabelbäume und die Elektronik hinter dem Armaturenbrett betroffen sind. Eine fachkundige Begutachtung durch eine Werkstatt gibt letzte Gewissheit.

Welche Versicherung zahlt bei Fahrzeugschäden durch Hochwasser oder Starkregen?

Schäden an geparkten Fahrzeugen durch Hochwasser übernimmt in der Regel die Teilkaskoversicherung. Wird ein überflutetes Straßenstück trotz Warnung bewusst durchfahren, kann die Entschädigung wegen grober Fahrlässigkeit gekürzt werden – dann kommt es auf die Vollkaskoversicherung und die Umstände des Einzelfalls an.

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