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E-Mobilität

Ravensburg lädt vor – und warum auch hier E-Autos im Winter liegenbleiben können

Kaum eine deutsche Kleinstadt hat so viele öffentliche Ladesäulen pro Einwohner wie Ravensburg. Trotzdem schützt das nicht vor einem wenig bekannten Problem – der gewöhnlichen 12-Volt-Batterie, die jedes E-Auto zusätzlich zum Antriebsakku besitzt.

Veröffentlicht: 20. Januar 2026Lesezeit: ca. 2 Min.Ravensburg
Modernes Elektroauto lädt an einer öffentlichen Ladesäule auf einem historischen Marktplatz mit Fachwerkhäusern
Kurz gesagt

Ravensburg war laut Oberbürgermeister Daniel Rapp zeitweise die deutsche Stadt mit den meisten öffentlichen Ladesäulen pro Einwohner. Seit dem Start über das Landesförderprogramm LINOx BW 2018 entstanden über 290 öffentliche AC-Ladepunkte und 35 DC-Schnellladepunkte. Trotz dieser Vorreiterrolle sind auch E-Autos in Ravensburg nicht vor Pannen gefeit: Laut ADAC geht rund die Hälfte aller Pannen bei E-Autos auf die gewöhnliche 12-Volt-Starterbatterie zurück, die unabhängig vom Antriebsakku das Bordnetz versorgt und bei Kälte genauso schwächelt wie bei Verbrennern.

Eine Kleinstadt als Ladesäulen-Vorreiter

Ravensburg, eine Stadt mit rund 50.000 Einwohnern im Landkreis Ravensburg, war laut Oberbürgermeister Daniel Rapp „zwischenzeitlich die Stadt mit den meisten öffentlichen Ladesäulen pro Einwohner in ganz Deutschland". Grundlage dafür war das Landesförderprogramm LINOx BW, das 2018 zur Verbesserung der Luftreinhaltung startete. Bis 2022 wurden darüber allein 115 Ladepunkte durch den lokalen Energieversorger TWS (Technische Werke Schussental) realisiert.

Heute betreibt TWS insgesamt 143 öffentliche Ladepunkte an 34 Standorten in Ravensburg und dem benachbarten Weingarten. Im Jahr 2025 verzeichnete der Versorger rund 30.000 Ladevorgänge mit einer Lademenge von etwa 572.000 Kilowattstunden – ein Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt zählt Ravensburg über 290 öffentliche AC-Ladepunkte und 35 DC-Schnellladepunkte und übertrifft damit den Mindestversorgungsrichtwert der Landesenergieagentur KEA Baden-Württemberg von einem Ladepunkt je 1.000 Einwohner deutlich.

Ein Problem, das viele E-Auto-Fahrer nicht kennen

So gut die Ladeinfrastruktur in Ravensburg auch ausgebaut ist – sie schützt nicht vor einem Problem, das viele Besitzer von Elektroautos überrascht: Auch ein E-Auto mit vollem Antriebsakku kann liegenbleiben, weil eine ganz gewöhnliche 12-Volt-Batterie versagt. Diese kleine Starterbatterie ist unabhängig vom großen Hochvolt-Akku verbaut und übernimmt eine entscheidende Aufgabe: Sie versorgt das Bordnetz und schließt die Hochvolt-Schütze, die das Fahrzeug überhaupt erst fahrbereit machen.

Ist diese 12-Volt-Batterie leer, passiert beim Startversuch schlicht gar nichts – unabhängig davon, wie viel Reichweite der Antriebsakku noch hat. Laut ADAC-Pannenstatistik liegt der Anteil der Starterbatterie als Pannenursache bei E-Autos sogar bei 50,5 Prozent und damit höher als bei Verbrennern mit 44,6 Prozent – weil die absolute Pannenzahl bei E-Autos niedriger ist, die Batterieproblematik aber relativ stärker durchschlägt.

Warum Kälte auch hier der entscheidende Faktor ist

Technisch handelt es sich bei der 12-Volt-Batterie meist um eine Blei-Säure- oder AGM-Batterie – genau die Technik, die auch in Verbrennerfahrzeugen zum Einsatz kommt. Entsprechend reagiert sie auch genauso empfindlich auf Kälte: Bei rund 10 Grad Celsius sinkt die verfügbare Kapazität auf etwa die Hälfte dessen, was bei 20 Grad zur Verfügung steht. Am Gefrierpunkt bleiben oft nur noch rund 25 Prozent der Kapazität übrig.

Starthilfe funktioniert bei dieser 12-Volt-Batterie technisch genauso wie bei einem klassischen Verbrenner – nur dass viele E-Auto-Fahrer davon ausgehen, ihr Fahrzeug sei durch den großen Antriebsakku vor solchen klassischen Pannen gefeit. Ein Irrtum, der sich spätestens am ersten frostigen Wintermorgen auflöst.

Was das für E-Auto-Besitzer in Ravensburg und anderswo bedeutet

  • Auch die 12-Volt-Batterie regelmäßig prüfen lassen, unabhängig vom Ladezustand des Antriebsakkus.
  • Bei Kälte mehr Zeit für den ersten Startversuch einplanen, besonders bei älteren E-Autos.
  • Starthilfe funktioniert auch beim E-Auto – im Zweifel die Fahrzeuganleitung zu den korrekten Anschlusspunkten konsultieren, da sie sich von Verbrennern unterscheiden können.

Mehr dazu in unserem Ratgeber zu Starthilfe bei E-Auto und Hybrid. Steht Ihr Fahrzeug mit leerer 12-Volt-Batterie, zeigt unsere Anleitung zur Starthilfe, wie Sie selbst weiterkommen.

Quellen

Schwäbische Zeitung, Bericht „Stadt. Land. Säule." vom 22.03.2022; Stadt Ravensburg, Informationsseite zu E-Ladestationen; TWS (Technische Werke Schussental), Pressemitteilung zu Ladevorgängen 2025; ADAC-Pannenstatistik 2025/2026 (presse.adac.de); Autogazette/SP-X, Fachbericht zur 12-Volt-Batterie bei E-Autos; VARTA Automotive, Fachartikel zum Temperatureinfluss auf Batterien.

Häufige Fragen

Wie viele Ladesäulen hat Ravensburg wirklich?

Über das Landesförderprogramm LINOx BW entstanden seit 2018 in Ravensburg über 290 öffentliche AC-Ladepunkte und 35 DC-Schnellladepunkte. Der lokale Energieversorger TWS betreibt aktuell 143 öffentliche Ladepunkte an 34 Standorten in Ravensburg und Weingarten und verzeichnete 2025 rund 30.000 Ladevorgänge – ein Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Warum braucht ein Elektroauto überhaupt eine normale Starterbatterie, wenn es doch einen großen Antriebsakku hat?

Der Hochvolt-Antriebsakku eines E-Autos ist für die Fahrt zuständig, aber die kleine 12-Volt-Batterie versorgt das Bordnetz und schließt die Hochvolt-Schütze, die das Fahrzeug erst fahrbereit machen. Ist die 12-Volt-Batterie leer, passiert beim Startversuch gar nichts – selbst wenn der Antriebsakku voll geladen ist.

Wirkt sich Kälte auf die 12-Volt-Batterie eines E-Autos genauso aus wie bei einem Verbrenner?

Ja. Bei Blei-Säure- oder AGM-Batterien, wie sie auch in E-Autos als Bordnetz-Batterie verbaut sind, sinkt die chemische Reaktivität mit fallender Temperatur deutlich: bei rund 10 Grad bleiben nur noch etwa 50 Prozent der Kapazität bei 20 Grad erhalten, am Gefrierpunkt nur noch etwa 25 Prozent. Die Batterie liefert dadurch bei Kälte spürbar weniger Startstrom, und normale Starthilfe funktioniert technisch genauso wie bei einem Verbrennerfahrzeug.

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