Aus dem Landkreis Lörrach pendeln rund 22.031 Menschen täglich zur Arbeit in die Schweiz, davon allein 3.379 aus Weil am Rhein. Seit dem 16. Oktober 2023 kontrolliert die Bundespolizei durchgehend an der deutsch-schweizerischen Grenze, verschärft seit Mai 2025. Pendler berichten von Fahrzeiten, die sich von 10 Minuten auf über eine Stunde verlängert haben, mit Rückstaus von über einem Kilometer Länge an der Autobahn-Grenzstelle Rheinfelden.
Das Dreiländereck lebt vom Pendeln
Kaum eine Region in Deutschland ist so eng mit dem Nachbarland verflochten wie der Raum um Weil am Rhein und Basel. Rund 22.031 Menschen aus dem Landkreis Lörrach pendeln täglich zur Arbeit in die Schweiz, davon allein 3.379 aus Weil am Rhein selbst. In einigen Gemeinden wie Inzlingen arbeiten bis zu 38 Prozent der Erwerbstätigen jenseits der Grenze. Schweizweit zählte das Bundesamt für Statistik Ende 2025 rund 411.000 ausländische Grenzgänger, von denen 16,4 Prozent aus Deutschland kommen. Insgesamt überqueren täglich etwa 1,2 Millionen Menschen die Schweizer Landesgrenze auf dem Landweg, rund 27 Prozent des gesamten Straßenverkehrs entfallen auf Pendler.
Von zehn Minuten auf eine Stunde
Seit dem 16. Oktober 2023 kontrolliert die Bundespolizei auf Beschluss des Bundesinnenministeriums durchgehend an der deutsch-schweizerischen Grenze. Im Mai 2025 wurden diese Kontrollen unter der neuen Bundesregierung noch einmal verschärft. Die Folgen für Pendler sind spürbar: Eine Pendlerin aus Rheinfelden berichtete gegenüber Schweizer Medien, sie benötige inzwischen eine volle Stunde statt der früheren zehn Minuten für denselben Arbeitsweg – obwohl sie gar nicht durch die Zollkontrolle muss, sondern nur die blockierte Autobahnausfahrt passieren will.
An der Autobahn-Grenzstelle Rheinfelden kann sich der Rückstau auf über einen Kilometer Länge aufbauen. Die Bundespolizei bestätigt, dass dort aus baulichen Gründen keine zweite Fahrspur für den Pkw-Verkehr möglich ist – ein strukturelles Nadelöhr, das sich nicht kurzfristig beheben lässt. Selbst der öffentliche Nahverkehr ist betroffen: Die grenzüberschreitende Tramlinie 8 zwischen Basel und Weil am Rhein verzögert sich durch die Ausweiskontrollen regelmäßig, Kontrollen dauern statt der früheren 3 bis 5 Minuten inzwischen teils über 10 Minuten pro Tram.
Wenn der Stau zur Belastung für das Auto wird
Für Pendler, die täglich in solchen Staus stehen, ist es nicht nur eine Frage der verlorenen Zeit. Stop-and-go-Verkehr mit wiederholtem Anfahren und Stehenbleiben bei laufender Klimaanlage, Standheizung oder Sitzheizung belastet die Autobatterie zusätzlich – besonders im Winter, wenn ohnehin schon weniger Startleistung zur Verfügung steht, oder im Sommer, wenn die Klimaanlage durchgehend läuft. Bei älteren Fahrzeugen oder Batterien, die bereits am Ende ihrer Lebensdauer stehen, kann genau diese zusätzliche Dauerbelastung im Stau der Auslöser für eine Panne sein.
Was Grenzpendler daraus mitnehmen können
- Pufferzeit fest einplanen, besonders zu Stoßzeiten an der Grenze Rheinfelden und vergleichbaren Übergängen.
- Batterie regelmäßig prüfen lassen, wenn der tägliche Arbeitsweg viel Stop-and-go-Verkehr beinhaltet.
- Standort im Stau notieren (Fahrtrichtung, Kilometerangabe, markante Punkte), falls doch eine Panne auftritt und Hilfe gerufen werden muss.
Bleibt Ihr Auto im Stau oder anderswo mit leerer Batterie liegen, zeigt unsere Anleitung zur Starthilfe, wie Sie selbst weiterkommen, oder Sie fragen direkt Hilfe in Ihrer Nähe an.
Quellen
WSW Wirtschaftsregion Südwest, Grenzgängerstatistik 2021; Bundesamt für Statistik (BFS) Schweiz, Daten zu Grenzgängern und grenzquerendem Personenverkehr; Blick (Schweiz), Bericht zu Stau-Chaos an der deutschen Grenze; Bluewin/SRF, Bericht zu Verzögerungen bei der Tramlinie 8 Basel–Weil am Rhein; SWR, Bericht zur baulichen Situation am Grenzübergang Rheinfelden.
Häufige Fragen
Warum gibt es seit 2023 wieder durchgehende Grenzkontrollen zwischen Deutschland und der Schweiz?
Seit dem 16. Oktober 2023 kontrolliert die Bundespolizei auf Beschluss des Bundesinnenministeriums durchgehend an der Grenze zur Schweiz. Im Mai 2025 wurden diese Kontrollen unter der neuen Bundesregierung nochmals verschärft, was zu spürbar längeren Wartezeiten für Grenzgänger führte.
Wie viele Menschen pendeln täglich zwischen dem Raum Lörrach/Weil am Rhein und der Schweiz?
Rund 22.031 Menschen aus dem Landkreis Lörrach arbeiten in der Schweiz, davon 3.379 allein aus Weil am Rhein. In manchen Gemeinden wie Inzlingen liegt die Grenzgängerdichte bei bis zu 38 Prozent der Erwerbstätigen. Schweizweit gab es Ende 2025 rund 411.000 ausländische Grenzgänger, 16,4 Prozent davon aus Deutschland.
Was tun, wenn das Auto im Grenzstau mit Standheizung oder Klimaanlage liegenbleibt?
Stop-and-go-Verkehr mit häufigem Starten und Stoppen bei laufender Standheizung oder Klimaanlage belastet die Autobatterie zusätzlich, besonders bei älteren Fahrzeugen. Springt der Motor nach längerem Stau nicht mehr an, hilft eine Starthilfe genauso wie bei jeder anderen Panne – wichtig ist, den genauen Standort im Stau möglichst präzise durchzugeben.
