Nach Angaben des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gab es 2024 rund 276.000 gemeldete Wildunfälle mit kaskoversicherten Pkw, erstmals mit einer Schadensumme von über 1,1 Milliarden Euro. Das entspricht rechnerisch mehr als 750 Unfällen pro Tag. Die Hauptsaison liegt im Herbst zwischen Oktober und Dezember sowie im Frühjahr, verstärkt durch die Zeitumstellung, die den Berufsverkehr in die Dämmerungsphase verschiebt – die Zeit mit dem höchsten Wildwechsel-Risiko.
Über eine Milliarde Euro Schaden – zum ersten Mal
Nach Angaben des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gab es 2024 rund 276.000 gemeldete Wildunfälle mit kaskoversicherten Pkw – mit einer Gesamtschadensumme von über 1,1 Milliarden Euro, erstmals über der Milliarden-Grenze. Der Durchschnittsschaden je Unfall lag bei 4.100 Euro, nach 3.850 Euro im Jahr davor. Treiber sind unter anderem die gestiegenen Preise für Karosserieteile und höhere Werkstatt-Stundensätze.
Rechnerisch bedeutet das mehr als 750 Wildunfälle pro Tag in Deutschland, mit einer Schadenssumme von rund 3 Millionen Euro täglich. Im Vergleich zu 2022, als noch etwa 265.000 Unfälle mit 950 Millionen Euro Schaden registriert wurden, zeigt sich binnen zwei Jahren ein deutlicher Anstieg.
Dämmerung und Zeitumstellung als Risikofaktoren
Die Hauptsaison für Wildunfälle liegt laut GDV zwischen Oktober und Dezember sowie im Frühjahr um April und Mai. Besonders gefährlich wird es in der Dämmerung, wenn Wild aktiv wird und gleichzeitig die Sicht für Autofahrer nachlässt. Verstärkt wird dieser Effekt durch die Zeitumstellung: Der abendliche Berufsverkehr verschiebt sich dadurch zunehmend in genau die Phase, in der Wildwechsel am wahrscheinlichsten ist.
Regional zeigen sich deutliche Unterschiede: Eine Auswertung der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg für 2025 zeigt den Landkreis Ravensburg mit den meisten Wildunfällen im Südwesten (1.380 Fälle), gefolgt von Karlsruhe (1.180) und Sigmaringen (1.047). Die höchste lokale Unfalldichte mit bis zu 48,8 Unfällen pro Kilometer fand sich in Karlsruhe und Sigmaringen. Auch der Kreis Paderborn in Nordrhein-Westfalen meldete allein in neun Monaten 827 Wildunfälle, überwiegend mit Rehwild.
Wenn aus einer Kollision eine Panne wird
Ein Wildunfall ist häufig mehr als ein reiner Blechschaden – er kann das Fahrzeug akut fahruntauglich machen. Beim Aufprall mit einem Reh oder Wildschwein wird oft der Kühlergrill eingedrückt oder der Kühler selbst beschädigt, sodass der Motor nach wenigen weiteren Kilometern überhitzt. Bei Frontschäden sitzt zudem häufig die Batterie direkt im Deformationsbereich: Kabelbrüche oder beschädigte Batteriehalterungen können zum kompletten Ausfall der Bordelektrik führen, sodass das Auto gar nicht mehr startet. Ausweichmanöver, laut Polizei Paderborn die Hauptursache für Personenschäden bei Wildunfällen, können zusätzlich zu Reifenplatzern oder Lenkungsschäden führen.
Besonders tückisch: Wildunfälle passieren überwiegend auf Land- und Kreisstraßen in dünn besiedelten Gebieten, oft in der Dämmerung – genau die Situation, in der man ohne Handyempfang, nahe Werkstatt oder schnelle Pannenhilfe liegenbleibt.
Was Sie nach einem Wildunfall beachten sollten
- Unfallstelle absichern – Warnblinker, Warndreieck, Warnweste, auch wenn kein Personenschaden vorliegt.
- Polizei verständigen, um eine Wildunfallbescheinigung zu erhalten – wichtig für Versicherung und aus jagdrechtlichen Gründen.
- Fahrzeug nicht einfach weiterfahren, wenn Kühler, Batterie oder Lenkung sichtbar beschädigt sind – das Risiko eines Folgeschadens ist hoch.
Bleibt Ihr Fahrzeug nach einem Wildunfall mit beschädigter Batterie oder Elektrik liegen, hilft unsere Übersicht zu häufigen Ursachen, oder Sie fragen direkt Hilfe in Ihrer Nähe an.
Quellen
Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Medieninformation „Wildunfälle über eine Milliarde Euro Schaden" (autohaus.de); GDV, Medieninformation „Viele Wildunfälle im April und Mai"; Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg, Jahresauswertung Wildunfalldaten 2025; Polizei Paderborn, Pressemitteilung zu Wildunfallzahlen.
Häufige Fragen
Darf ich nach einem Wildunfall einfach weiterfahren?
Nein. Ein Wildunfall muss grundsätzlich der Polizei gemeldet werden, auch ohne Personenschaden, da eine Wildunfallbescheinigung für die Versicherung und aus jagdrechtlichen Gründen notwendig ist. Einfaches Weiterfahren ohne Meldung kann rechtliche Konsequenzen haben.
Warum ist das Wildunfallrisiko nach der Zeitumstellung höher?
Mit der Zeitumstellung verschiebt sich der abendliche Berufsverkehr in die Dämmerungsphase, in der Wild besonders aktiv ist und gleichzeitig die Sichtverhältnisse für Autofahrer schlechter werden. Diese Überschneidung von hohem Verkehrsaufkommen und erhöhter Wildaktivität erklärt den saisonalen Anstieg der Unfallzahlen im Herbst.
Zahlt die Kaskoversicherung auch bei einem Ausweichmanöver ohne direkten Tierkontakt?
Das hängt von der genauen Police und den Umständen ab. Grundsätzlich kann auch ein unfallursächliches Ausweichmanöver vor einem Wildtier über die Teilkasko abgedeckt sein, wichtig ist aber eine nachvollziehbare Dokumentation des Vorfalls, idealerweise mit Polizeimeldung.
