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Verkehrsgeschichte

Die erste Autobahn Deutschlands – und eine Panne war 1932 ganz allein Ihr Problem

Am 6. August 1932 eröffnete der damalige Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer die erste kreuzungsfreie Autostraße Deutschlands zwischen Köln und Bonn. Was viele nicht wissen: Organisierte Pannenhilfe gab es zu dieser Zeit noch gar nicht.

Veröffentlicht: 6. August 2026Lesezeit: ca. 3 Min.Köln
Historisches Schwarz-Weiß-Foto von Automobilen der 1930er Jahre auf einer neuen breiten Landstraße, Zuschauer am Straßenrand
Kurz gesagt

Am 6. August 1932 eröffnete Konrad Adenauer, damals Kölner Oberbürgermeister, die 18,5 Kilometer lange, kreuzungsfreie Autostraße zwischen Köln und Bonn – heute Teil der Bundesautobahn 555 und die erste ihrer Art in Deutschland, ein halbes Jahr vor Hitlers Machtübernahme. Organisierte Pannenhilfe existierte zu diesem Zeitpunkt noch nicht: Der ADAC hatte erst 1928 einen ersten Straßenhilfsdienst mit 34 Motorrad-Gespannen gegründet, die flächendeckende Pannenhilfe mit den bekannten „Gelben Engeln" entstand erst 1953/54.

Eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme macht Geschichte

Am 6. August 1932 eröffnete Konrad Adenauer, damals Oberbürgermeister von Köln und später erster Bundeskanzler der Bundesrepublik, eine 18,5 Kilometer lange, vierspurige und vollständig kreuzungsfreie „Kraftwagenstraße" zwischen Köln und Bonn. Für den regulären Verkehr wurde sie zwei Tage später, am 8. August 1932, freigegeben. Heute ist die Strecke als Bundesautobahn 555 bekannt und gilt als die erste Autobahn Deutschlands im modernen Sinne.

Begonnen hatte der Bau bereits 1928/1929 – nicht aus verkehrspolitischer Notwendigkeit allein, sondern vor allem als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme der Weimarer Republik gegen die Massenarbeitslosigkeit. Rund 2.700 bis 5.540 Arbeitslose (die Quellen variieren hier) waren am Bau beteiligt. Bagger waren bei der Ausschreibung bewusst verboten, um möglichst viele Menschen in Arbeit zu bringen. Die Gesamtkosten beliefen sich auf etwa 8,6 Millionen Reichsmark.

Technisch fortschrittlich, aber ohne Sicherheitsnetz

Die neue Straße war mit 12 Metern Breite, vier jeweils 3 Meter breiten Fahrspuren und einer Auslegung für Tempo 120 bei 300 Metern Sichtweite technisch bemerkenswert fortschrittlich für ihre Zeit – auch wenn die Fahrzeuge der frühen 1930er Jahre diese Geschwindigkeiten selten erreichten. Einen Mittelstreifen gab es bewusst nicht, da man schwere Unfälle an Hochbordsteinen oder Grünstreifen fürchtete.

Zur Eröffnung organisierte der ADAC eine Sternfahrt mit rund 2.000 Teilnehmern bei einer Startgebühr von 5 Reichsmark. Adenauer soll bei der Eröffnung gesagt haben: „So werden die Straßen der Zukunft aussehen." Vor dem Neubau zählte man auf der alten Landstraße zwischen Köln und Bonn bis zu 7.500 Fahrzeuge täglich – das höchste Verkehrsaufkommen Deutschlands zu jener Zeit.

Ein historischer Fakt gegen einen hartnäckigen Mythos

Bemerkenswert ist der zeitliche Kontext: Die Eröffnung fand ein halbes Jahr vor Hitlers Ernennung zum Reichskanzler im Januar 1933 statt. Die später von den Nationalsozialisten verbreitete Propaganda, die Autobahn sei „in Beton gegossener Wille eines Mannes", ist historisch widerlegt – die NS-Führung stufte die Köln-Bonn-Strecke sogar ein halbes Jahr nach der Eröffnung offiziell zur einfachen Landstraße herab, offenbar um die geplanten eigenen Reichsautobahnen als originäre Idee präsentieren zu können. Erst 1959 wurde die Strecke offiziell wieder zur Autobahn erklärt.

Eine Panne war 1932 Ihr ganz eigenes Problem

Was aus heutiger Sicht kaum vorstellbar ist: Organisierte Pannenhilfe existierte auf dieser neuen Autobahn schlicht nicht. Der ADAC hatte erst 1928 einen „Straßenhilfsdienst" mit 34 Motorrad-Beiwagen-Gespannen gegründet, erkennbar an einem roten Kreuz. 1930 stellte der Club versuchsweise 15 Telefonhäuschen entlang der Strecke München–Garmisch auf – ein Vorläufer der heutigen Notrufsäule, der 1932 auf der Köln-Bonn-Strecke aber noch nicht existierte. Die eigentliche, flächendeckende „ADAC Straßenwacht" mit den bis heute bekannten „Gelben Engeln" entstand erst 1953/54, mit damals 60 Motorrad-Gespannen.

Wer also 1932 mit einem Reifenschaden, einem defekten Vergaser oder leerem Tank auf der neuen Autobahn liegenblieb, hatte keine Wahl: selbst reparieren, am Straßenrand auf vorbeikommende Hilfe warten, oder zu Fuß zur nächsten Ortschaft gehen. Benzin gab es zudem oft nur in Kanistern oder in Apotheken zu kaufen – ein Tankstellennetz in heutiger Dichte existierte noch nicht.

90 Jahre Entwicklung der Pannenhilfe

Der Kontrast zu heute ist enorm: Mittlerweile rückt der ADAC statistisch alle 9 Sekunden irgendwo in Deutschland zu einer Panne aus, mit App-gestützter Standortübermittlung und einer direkten Reparaturquote vor Ort von rund 84 Prozent. Notrufsäulen, eCall-Systeme in modernen Fahrzeugen und ein dichtes Werkstattnetz haben aus der einstigen Selbsthilfe-Notwendigkeit ein organisiertes System gemacht.

Trotzdem bleibt der Kern derselbe wie 1932: Ein Fahrzeug, das liegenbleibt, braucht Hilfe. Nur dass diese Hilfe heute deutlich schneller kommt – über unsere Anleitung zur Starthilfe oder, wenn es doch Hilfe von außen braucht, per Anfrage direkt über unser Formular.

Quellen

Wikipedia, Artikel „Bundesautobahn 555"; Der Spiegel, „A 555"; 24RHEIN, Bericht zu den ältesten Autobahnen in NRW; Westdeutsche Zeitung, „Die deutsche Autobahn wird 75"; ADAC, offizielle Vereinsgeschichte und Blogbeitrag „70 Jahre Gelbe Engel".

Häufige Fragen

War die Köln-Bonn-Strecke wirklich die erste „Autobahn" Deutschlands?

Im Sinne einer kreuzungsfreien Kraftfahrstraße zwischen zwei Städten war sie es, eröffnet am 6. August 1932. Die Berliner AVUS war zwar bereits 1921 fertiggestellt, aber eine Renn- und Teststrecke, keine Verbindungsstraße zwischen Städten – daher gilt die Köln-Bonn-Strecke als erste echte Autobahn im heutigen Sinne.

Stimmt es, dass Hitler die erste Autobahn gebaut hat?

Nein, das ist ein historisch widerlegter Mythos. Adenauer eröffnete die Strecke am 6. August 1932, ein halbes Jahr bevor Hitler im Januar 1933 Reichskanzler wurde. Die Nationalsozialisten stuften die Straße sogar ein halbes Jahr nach der Eröffnung offiziell zur einfachen Landstraße herab, um ihre eigenen geplanten Reichsautobahnen als originäre Idee präsentieren zu können.

Was hätte man 1932 bei einer Autopanne auf der Strecke gemacht?

Es gab weder Notrufsäulen noch einen organisierten Pannendienst. Der ADAC hatte 1930 versuchsweise 15 Telefonhäuschen entlang der Strecke München–Garmisch aufgestellt, einen Vorläufer der späteren Notrufsäule – auf der Köln-Bonn-Strecke von 1932 existierte das noch nicht. Wer liegenblieb, musste selbst reparieren, warten oder zu Fuß Hilfe suchen.

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